Megalopolis
Oberflächlich und einmalig
2024, Regie: Francis Ford Coppola
Es sind altbekannte Themen, die in dem Gesamtwerk von Meisterregisseur Francis Ford Coppola schon mehrmals vorkamen und auch in seinem – sagen wir – kontroversen Sci-Fi-Epos “Megalopolis” behandelt werden. Bereits an der Oberfläche sind sie zu sehen, zwischen den Zeilen muss hier niemand suchen. Familie spielt natürlich eine Rolle: Der eigene Nachwuchs als Chance und Last zugleich; das Private verdreht das Politische und vice versa. Außerdem fühlt man sich an den allersten Satz in Coppolas Meisterwerk “Der Pate” erinnert: “I believe in America”. Denn “Megalopolis” ist gewissermaßen ein zweistündiges Wiederaufgreifen dieses Sentiments, ein opulentes Plädieren an ein Volk und dessen Glauben an sich selbst. “Wenn wir uns ins Unbekannte stürzen, stellen wir unter Beweis, dass wir frei sind”, meint unser Protagonist Cesar Catilina einmal. Wir haben es hier also mit einem Film zu tun, dessen scheinbar optimistischer Regisseur uns Gewissheit geben will, dass am Ende schon alles gut wird. Du musst nur mutig sein, darfst auf keinen Fall den Glauben verlieren.
Im Kern von “Megalopolis” steht darüber hinaus der Zwiespalt zwischen den Problemen der Gegenwart (die Leute brauchen jetzt Jobs) und den Problemen der Zukunft (äußere Bedrohung und innerer Zerfall werden ausgeblendet, um auf lange Sicht voranzuschreiten; Fortschritt erfordert Opfer!?!?). Es geht also auch um Zeit, die Francis Ford Coppola gerne zum Stillstand bringen würde – bis er feststellt, dass das unmöglich ist. Aber nochmal: Vielleicht muss das gar nicht sein, hört man Coppola geradezu denken. Die nächste Generation wird das schon regeln…
Wenn das mal so einfach wär, denk ich mir – und bewundere Coppola gleichzeitig für diese Einstellung. Lange war ich mir nicht mehr so unsicher, wie mir ein Film gefallen hat: “Megalopolis” ist befremdlich und unbeholfen, seine Charaktere sind weniger Figuren als oberflächliche Personifikationen bestimmter Prinzipien und Ansichten; sie sprechen ihre Intentionen und Gedanken einfach immer aus. Statt einem trubeligen Cityfeeling vermittelt der Film außerdem ein Bühnengefühl und fühlt sich wie ein merkwürdiges Theaterstück an. Es passt also, dass es manchmal so scheint, als wären die zentralen Figuren die einzigen Menschen in der gesamten Stadt.
All das macht “Megalopolis” zu einem Film, der in allererster Linie einmalig ist. Ich würde jedem Kinofan empfehlen, sich den Film anzuschauen… Aber wenn ich den Bumms noch ein zweites Mal sehen muss, dreh ich durch!



