Longlegs
L A N G W E I L I G
2024, Regie: Oz Perkins
Das klingt jetzt sicherlich so, als würde ich mich extrem wichtig nehmen (stimmt nur bedingt), aber: Auf 'ne Art sind Filmkritiker sowas wie Detektive, die den Kern eines Films ausfindig machen – oder es zumindest versuchen – und ständig damit beschäftigt sind, irgendwelche Verbindungen herzustellen. Genau darin liegt zu großen Teilen der Spaß am Filmegucken, zumindest für mich. Und dieser Spaß geht nunmal flöten, wenn diese Suche nach Themen und Referenzen entweder zu einfach ist, weil der Zuschauer für dumm verkauft wird; oder sogar unmöglich erscheint, weil der Film einen leeren Eindruck macht.
Beim neuen Horrorfilm “Longlegs” trifft tatsächlich beides zu. Auf der einen Seite sind die verschiedenen Hinweise zu offensichtlich – NATÜRLICH spielt der Geburtstag unser Protagonistin noch eine Rolle; NATÜRLICH dreht der Polizeichef am Ende durch (das war seit dem Moment klar, in dem wir seine Familie kennenlernen) – und auf der anderen Seite scheint sich hier nur wenig unter der Oberfläche zu verstecken: Bei modernen Horrormeistern wie Jordan Peele, Ari Aster und Robert Eggers hat man das Gefühl, dass sie einem unendlich viel zu ihren Filmen sagen könnten. Das Gefühl bekommt man bei “Longlegs” nicht, weil zu viele Chancen vertan werden. Man hätte z.B. intensiver auf die religiösen/satanistischen Untertöne des Films eingehen können. Oder irgendwas anderes, um das Ganze mit mehr Inhalt zu füllen. Irgendwas!!!
Fincher-Vergleiche liegen zwar Nahe – ein leicht gelblicher Look, ein Serienmörder mit eigenem Alphabet etc. –, doch David Fincher würde seine Filme niemals mit einer so farblosen Protagonistin und einem so stumpf-furchteinflößenden Bösewicht wie dem von Nicolas Cage gespielten Longlegs ausstatten. Auch das viel zu aggressive Spiel mit der Farbe Rot (Teppich, Augen, Tinte u.s.w.) wirkt hier so, als hätte man dem Regisseur gesagt: Du musst mit Farben arbeiten! Das finden die Leute toll! Gelegentlich tauchen Songs der legendären Glamrock-Band T. Rex auf und am Ende hab ich eigentlich nur darauf gewartet, dass der Film endlich vorbei ist, damit ich mir die besten T. Rex Alben anhören kann. Das hab ich direkt danach getan und hatte an dem Tag also doch noch Spaß.



