Licorice Pizza
Mehr Herz <3
2021, Regie: Paul Thomas Anderson
Humorvoll sind die durchweg großartigen Werke von Paul Thomas Anderson ja immer, man erinnere sich an die “I drink your milkshake”-Szene in “There Will Be Blood” oder – nun ja – gefühlt alle Szenen in “Phantom Thread”. Beim Zusammenschneiden seiner Filme würde Paul Thomas Anderson auch bei vermeintlich todernsten Momenten lachen, meinte Jonny Greenwood (Filmkomponist/Radiohead-Gitarrist) mal im Interview mit dem Kritiker Adam Nayman, doch so spaßgetrieben wie bei seinem jüngsten Geniestreich “Licorice Pizza” war der Meisterregisseur nie zuvor; man hört ihn förmlich hinter der Kamera kichern. Es ist kein verkorkstes Lachen, wie bei “Punch-Drunk Love” oder “Internet Vice”, sondern ein komplett aufrichtiges. Das Motto war scheinbar: Weniger Kopf, mehr Herz.
“Licorice Pizza” ist ein warmer Film und symbolisiert den Punkt in Paul Thomas Andersons Karriere, an dem er sich komplett locker gemacht hat. Anstelle von Hollywood-Stars wie Daniel Day-Lewis oder Joaquin Phoenix besetzte der Regisseur unerfahrene Darsteller in den Hauptrollen: Alana Haim, Gitarristin der US-amerikanischen Band Haim, sowie Cooper Hoffman, Sohn meines verstorbenen Lieblingsschauspielers Philip Seymour Hoffman. Die allgemeine Stimmung ist leicht und funny ("What does your penis look like?"), was den Film von anderen PTA-Werken unterscheidet; schließlich wird selbst der partyreiche Meisterstreifen “Boogie Nights” irgendwann zum Alptraum. Stattdessen gibt dir “Licorice Pizza” ein gutes Gefühl – so wie die Charaktere es auch untereinander tun.
Herrlich-romantisch! Jemand ist beeindruckt von der Macher-Art eines Jungen – von seiner gesund-naiven Weise, die Dinge um sich schweben zu lassen. Gleichzeitig findet sie sein Selbstbewusstsein absolut lächerlich; verliebt sein heißt genervt sein. Dranbleiben und jemandem hinterherrennen, das ist viel realer als ‘Liebe auf den ersten Blick’ oder so ein Quatsch. Gemeinsam nach den Situationen greifen, die einem beim eigenen Selbstwertgefühl helfen: Wasserbetten verkaufen, Brüste anfassen während Paul McCartneys "Let Me Roll It" läuft, DURCH DIE STADT RENNEN. Momente, an die sich womöglich keiner erinnern würde. Und dann macht jemand einen Film darüber.



