Eraserhead
Komplett leergesaugt
1977, Regie: David Lynch
Heute ausnahmsweise mal kürzer – und das, obwohl es um David Lynch geht…
“Eraserhead”, der legendäre Debütfilm des Großmeisters David Lynch, scheint erstmal frei von Sinn oder Logik zu sein, bis man sich irgendwann darin wiedererkennt. So reden Menschen nicht, Babys sehen doch ganz anders aus, natürlich hat niemand so eine Frisur – und doch steckt hier sehr viel Realität drin. Denn trotz seiner Seltsamkeit symbolisiert unser Protagonist Henry eine Art Durchschnittstyp, an dem Lynch seine Faszination/Abneigung für, sagen wir, Normalos deutlich macht (das schwingt u.a. auch in seinem Meisterwerk “Blue Velvet” mit, in dem die merkwürdigen Ereignisse unterhalb einer spießigen ‘Heile Welt’-Schicht stattfinden).
Auf 'ne Art ist das Ganze also relatable: Henry hat panische Angst davor, einen Schritt zu machen, schließlich könnte das Verantwortung mit sich bringen; die radikale Langatmigkeit von “Eraserhead” lässt sich dementsprechend als Form von Prokrastination lesen. Zwischendurch sehen wir eine Hundemutter, die in Henrys Augen von ihrem Nachwuchs leergesaugt zu werden scheint. So will sicherlich keiner enden, hört man ihn geradezu denken, und in diesem Sinne konnte “Eraserhead” nie etwas anderes als das Werk eines jungen, ausschließlich auf seine Kunst fokussierten Mannes sein (die Dreharbeiten begannen, als Lynch gerade 26 war, und dauerten ganze vier Jahre). Eine Baby braucht Zuneigung, klar. Aber was ist, wenn ich diese Zuneigung nicht geben kann? Wenn ich mit meiner Frau zusammenziehe, hab ich dann noch genügend Platz im Bett? Wenn Leute mich anschauen, sehen sie mich dann noch als eigenständige Person? Das Leben ist in “Eraserhead” ein ständiger Kontroll- und Identitätsverlust – sowie etwas, wo man nunmal durchmuss. Die Hölle ist jetzt gerade, das Gute kommt am Schluss. Gaaaaaaanz am Schluss.



