Bugonia: Mach dich mal locker
Plus: Ein Ranking der Filme von Yorgos Lanthimos
2025, Regie: Yorgos Lanthimos
Ja, spannend ist “Bugonia” allemal... Die Kidnapping-Sequenz ist die vielleicht fesselndste seit „Fargo“, grausame Folterszenen kann Yorgos Lanthimos eh, intensive WTF-Momente gibt’s zuhauf. Dass er avantgardistische Elemente in aufwändige Big-Budget-Produktionen einbauen kann, wissen wir mittlerweile. Und dass die großartige Emma Stone darin funktioniert, ist ebenfalls klar. Mit ihrem Einzug in die Filmographie von Lanthimos – seit “The Favourite” (2018) hat sie in jedem seiner Werke mitgespielt – hat Stone eine neue Schaffensphase des Regisseurs eingeläutet, nach seiner ursprünglichen Trilogie griechischer Filme und der anschließenden Kurzära mit Colin Farrell. Emma Stone hält “Bugonia” am Leben, ihre Reaktionen auf die Geschehnisse der Handlung sind überzeugend: Ist sie nun ein Alien? Oder nur so verzweifelt wie die Kidnapper? Ein bisschen unmenschlich wirkt sie doch, oder? Nein, schlecht gemacht ist das keineswegs.
Auch Jesse Plemons ist in Topform. Er spielt jene Art von unerträglichem Verschwörungstheoretiker, die man nur zu gut kennt: Dieser selbstüberzeugte Blick, wenn er mit seiner ausführlichen Recherchearbeit prahlt, und wie er sich dann durch die verschwitzten Haare geht... Selbstverständlich macht er genau das, was er an Stones Charakter kritisiert, und manipuliert die Schwächeren (also seinen Cousin Don). Sein vermeintliches Wissen? Hat er komplett aus dem Internet. In einer starken Szene sieht man, wie er sich auf dem Weg zur Arbeit von irgendwelchen Podcasts zuballern lässt – und dass Stones Figur ein Alien sein muss, weiß er natürlich durch Instagram-Nachforschungen.
All das ist ganz cool. Die Problematik: Es steckt nix dahinter. Letztlich ist „Bugonia“ flach und kratzt bestenfalls an der Oberfläche seiner undefinierten Themen. Auf dem Weg vom Kinosaal bis zum Ausgang, da hat mich die Wirkung des Films bereits verlassen. Das war bei anderen Werken von Yorgos Lanthimos anders – über sein verdrehtes, lebensbejahendes Coming-of-Age-Meisterwerk „Poor Things“ haben wir noch ewig gesprochen. Originelle Konzepte und kreative Herangehensweisen haben seine Filme immer. Doch was nützt uns das, wenn sie auf nichts hindeuten? Und ganz ehrlich: Mich nervt’s, wenn Leute sagen, ein Film sei aber ‚handwerklich gut‘… Die Kamera rumzuwerfen und mit Fischaugenobjektiven zu spielen ist wertlos, wenn das am Ende nur Gimmicks bleiben. Auch das Schockierende, das Grausame verliert seine Wirkung, wenn ein Film schlichtweg leer ist. Nur der Moment, wo Emma Stones Figur mit einem Song von Green Day gefoltert wird, bleibt schlussendlich hängen – weil Green Day halt wirklich Foltermusik machen.
Die Aussage von „Bugonia“ ist nicht mehr als ‚hurt people hurt people‘. Das wissen wir bereits, und man kann das interessanter rüberbringen. Dass die Figur von Jesse Plemons ein ultraverzweifelter Typ ist („No one on earth gives a single fuck about us“), der schon sämtliche Auswege probiert hat, wird letztlich nicht genügend erkundet. „You can’t beat me because you are a loser and I’m a winner, and that’s fucking life!”, sagt Emma Stone einmal zu Plemons, was ein wirkungsvoller Moment sein könnte – wenn man diese Idee noch weiter verfolgt hätte.
Zum Schluss findet der Film durchaus interessante Bilder einer ausgelöschten Menschheit, die Lanthimos voller Schadenfreude aneinanderreiht. Er scheint uns zu sagen, dass die Erde ohne Menschen besser dran wäre, doch der gesamte Film hatte zu wenig mit dieser Thematik zu tun. Der Vergleich mit den Bienenkolonien funktioniert schlichtweg nicht.
Mit Yorgos Lanthimos ist es wie mit Taylor Swift. Er muss mal chillen und kann gerne in ein paar Jahren wiederkommen – dann hoffentlich mit was Vernünftigem.
Die Filme von Yorgos Lanthimos – RANKED:
Poor Things (2023)
The Lobster (2015)
Dogtooth (2009)
The Favourite (2018)
The Killing of a Sacred Deer (2017)
Alps (2011)
Kinds of Kindness (2024)
Bugonia (2025)
Kinetta (2005)



