Badlands
Filmkritik von Lennart Brauwers
1973, Regie: Terrence Malick
Auf "Darkness on the Edge of Town", Bruce Springsteens brachialem Viertwerk voller Verzweiflung und allerletzten Hoffnungsschimmern, das mit einem Songklassiker namens "Badlands" beginnt, schlüpfte der Rocksänger in die Schuhe seines depressiven Vaters, betrachtete die Welt also durch die Brille eines gefühlsbetäubten Fabrikarbeiters und suchte nach einem Sinn innerhalb des monotonen Alltags 'normaler' Menschen. So wurde er zu dem Springsteen, den wir alle kennen. Doch erst ein paar Jahre später, Anfang der Achtzigerjahre, verlieh er seiner Kunst eine noch tiefere Ebene und verwandelte sich – zumindest für den Opener/Titeltrack seines isoliert aufgenommenen Solo-Meisterwerks "Nebraska" – in etwas noch Trostloseres: Charles Starkweather, den bekannten Serienmörder, der Ende der Fünfzigerjahre sein Unwesen trieb. Schlüssel hierzu war Terrence Malicks großartiger Film "Badlands". (Wie bereits erwähnt begann schon "Darkness on the Edge of Town" mit einem gleichnamigen Song; ist aber Zufall, denn den Film entdeckte Springsteen erst in seiner "Nebraska"-Ära.)
Dem Songwriter gefiel, wie ruhig und unaufdringlich der Film war (und bestimmt auch, dass "Badlands" trotz dieser Subtilität ein unglaubliches Gewicht hatte), so gibt es hier wider Erwartens kein aufrüttelndes Brodeln, bevor etwas Grausames geschieht, und auch kein emotionalen Zusammenbruch danach. Die Dinge passieren einfach. Wenn wir den Protagonisten von "Badlands", der lose auf Charles Starkweather basiert, zu Beginn des Films kennenlernen, wirkt er wie ein ziemlich normaler Typ; weder gut noch böse, weder Held noch Anti-Held. Klar, ein bisschen merkwürdig ist er allemal, trotzdem oder gerade deswegen kleben wir an ihm – genau wie die weibliche Hauptfigur, durch deren Augen wir auf ihn blicken. Irgendwann steht er dann im Haus eben dieser Freundin, schießt auf ihren Vater und schaut dann mal, was passiert. Terrence Malick stellt diesen Gewaltakt nicht als Hilfeschrei, nichtmal als wirklich dramatisches Event dar, sondern als etwas, das nunmal passiert. Nicht alle Menschen sind böse, aber alle Menschen tun böse Dinge...
"Well, sir, I guess there's just a meanness in this world", singt Springsteen also im Titeltrack seines Albums "Nebraska", der ganz direkt von Malicks "Badlands" beeinflusst wurde. Genau wie der Film hat "Nebraska" diese beängstigende Ruhe. So erzählt Springsteen aus der Perspektive des Serienmörders, dass er zusammen mit seiner Freundin losgefahren ist und zehn unschuldige Menschen starben. Einfach so. Das ist eine fast schon beiläufige Form von Gewalt. Die allerschlimmste.

